Studie: Mittelstand wehrt sich gegen zu tiefe Einblicke


 
 
 

Immer mehr Informationen müssen veröffentlicht werden. Verletzt das den Datenschutz?

Datenschutz spielt eine immer größere Rolle – nur nicht für Familienunternehmen und ihre Gesellschafter. Sie würden „zunehmend unter Generalverdacht gestellt und zur Offenlegung von Informationen angehalten“, beklagt Rainer Kirchdörfer, Vorstandsmitglied der Stiftung Familienunternehmen. „Durch die Kombination zahlreicher öffentlich zugänglicher Informationsquellen lässt sich ein immer genaueres Bild von den privaten Verhältnissen der Unternehmer zeichnen.“

Die Stiftung, die von etwa 500 der größten Familienunternehmen getragen wird, hat dazu von den Jura-Professoren Ralf P. Schenke und Christoph Teichmann von der Uni Würzburg eine Studie anfertigen lassen. Ihr Urteil: Familienunternehmen und die einzelnen Familienmitglieder müssten „tiefe Einblicke in die Vermögensstruktur und Einkommenssituation“ gewähren. Das sei das Ergebnis des Zusammenspiels verschiedener Veröffentlichungspflichten. Dabei konnte bisher eigentlich jeder selbst entscheiden, wem er seine wirtschaftlichen Verhältnisse offenbaren wollte.

Die Autoren führen die Folgen am Beispiel einer Studentin vor, die nach dem Tod der Eltern eine Beteiligung von mehr als 25 Prozent am Familienunternehmen erbt: Im Transparenzregister ist sie mit vollem Namen, Geburtsdatum und Wohnort erfasst. Dieses Register kann jeder einsehen, der ein „berechtigtes Interesse“ nachweist. Da die Firma meist ihren Jahresabschluss offenlegen muss, lasse sich durch diese Analyse auch der Wert der Firmenbeteiligung einschätzen.

Viele Vorschriften wurden erlassen, um Geldwäsche und Terrorismus zu verfolgen. Doch sie gehen zu weit, so die Kritik der Professoren: Da es mehr als 1 Mio. GmbHs und Aktiengesellschaften gibt, dürften die Meldepflichten „viele Millionen Bürger“ betreffen. Die allermeisten kämen nie mit diesen Strafdelikten in Berührung.

Das Steuergeheimnis droht durch Regeln der EU ausgehebelt zu werden. Bisher werden Daten nur zwischen den Finanzverwaltungen der Mitgliedsländer ausgetauscht. Die EU-Kommission plant aber, sie für jeden einsehbar zu machen. Ebenso wie andere Regeln werde dies der Europäische Gerichtshof nicht akzeptieren, warnt Kirchdörfer. Daher solle der europäische Gesetzgeber sofort reagieren.

Thomas Fischer, Aufsichtsratschef des Ludwigsburger Autozulieferers Mann+Hummel, sieht eine weitere Gefahr: „Wenn wir sensible Geschäftsdaten Land für Land aufgeschlüsselt ins Internet stellen, helfen wir in erster Linie unseren Wettbewerbern.“ Sie könnten so an Geschäftsgeheimnisse gelangen, sagte er der SÜDWEST PRESSE.