– Die etwa 1100 Hopfenbauern sind stinksauer auf die Verantwortlichen des Hopfenrings. Mehr als 400 000 Euro an Mitgliedergeldern sind verschwunden.
– Im Zentrum des Skandals stehen der ehemalige Vorsitzende Johann Kreitmeier und sein Geschäftsführer Ludwig Hörmansperger.

Eigentlich könnten die Hopfenbauern ja zufrieden sein. 2017 war ein Jahr mit guter Ernte und ebensolchen Marktpreisen. Trotzdem lodert in der Hallertau der Zorn. Die etwa 1100 Hopfenbauern sind stinksauer auf die Verantwortlichen des Hopfenrings. Der gemeinnützige Verein soll über die Qualität ihrer Produkte wachen. Beim Verwalten der Mitgliedergelder hat sich der Hopfenring allerdings ziemlich dumm angestellt. Die Hauptversammlung Anfang März in Aiglsbach (Landkreis Kelheim) verhagelte den Bauern die Stimmung. Dort wurde zum ersten Mal öffentlich bekannt, dass mehr als 400 000 Euro an Mitgliedergeldern verschwunden sind.

Im Zentrum des Hopfen-Skandals: der ehemalige Vorsitzende Johann Kreitmeier und sein Geschäftsführer Ludwig Hörmansperger. Ihnen verweigerten die erbosten Bauern die Entlastung. Jetzt sieht es so aus, als ob die Geldgeschäfte ein Fall für die Justiz werden könnten. Der 43-jährige Vermögensberater Christian A. aus dem Landkreis Eichstätt ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Sie prüft Ermittlungen gegen ihn. Worum es dabei konkret geht, sagt die Ingolstädter Behörde jedoch nicht. A.s Firma CAC Finanz AG hatte der Hopfenring Geld anvertraut. Doch im November 2017 musste Christian A. Insolvenz anmelden. Damit ist das Geld sehr wahrscheinlich futsch. Sowohl Christian A. als auch die beiden Verantwortlichen des Hopfenrings weisen alle Vorwürfe gegen sie zurück.

Dabei klang das Investment aus der Sicht des Hopfenrings vielversprechend: Um die fünf Prozent Zinsen bot der Vermögensverwalter 2012, das war deutlich mehr als auf dem Markt üblich. Eine scheinbar sichere Sache, zumal Christian A. sich als seriöser Finanzexperte verkaufte. Auf Facebook schrieb er über Themen wie Leerverkäufe der Commerzbank und die Gewinnprognose der Waffenschmiede Rheinmetall. 2010 hatte A. seine eigene Firma gegründet, mit der er laut Website „Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Geld“ beraten wollte.

Zur Kundschaft gehörte sogar seine eigene Familie: Mutter, Großmutter und Tante steckten zusammen mehrere hunderttausend Euro in die CAC Finanz AG, die schließlich pleite ging. Nun müssen etwa 150 Investoren um ihre Ersparnisse bangen. Insgesamt geht es um einen Betrag von etwa fünf Millionen Euro an Investorengeldern. Joachim Exner, der Insolvenzverwalter der CAC Finanz, rechnet mit einer „minimalen Auszahlungsquote“ für die Gläubiger.

Wie konnte es soweit kommen? Bereits 2016 ging es der CAC Finanz schlecht, die Niedrigzinsen belasteten laut Bilanz das Geschäft. Die Handelsbilanz gibt zudem Einblicke in die dubiosen Geschäfte von A.: Mit einem großen Teil des Geldes seiner Anleger finanzierte er offenbar keine Kapitalversicherungen, Finanzderivate oder Edelmetalle, wie es der Geschäftsgegenstand des Unternehmens eigentlich vorsah, sondern wohl eigene Firmen.

Die Gläubiger haben viel Geld verloren

Davon profitierte unter anderem das Restaurant „Paf’s“. Eine halbe Million Euro soll 2016 in den edlen Laden in Pfaffenhofen geflossen sein. A. agierte als Geschäftsführer des Restaurants, in dem Milchkalb- Medaillons und Tatar vom Allgäuer Rinderfilet auf der Speisenkarte stehen. Die Betreibergesellschaft des Lokals meldete jedoch am selben Tag wie die CAC Finanz Insolvenz an. Ähnlich erging es der Phobe AG, einer weiteren Aktiengesellschaft im Firmengeflecht von A. Er nutzte die Phobe AG für das „Halten und Verwalten von Immobilien“. Im Dezember 2017 war auch sie zahlungsunfähig. A. erklärt auf SZ-Nachfrage, dass die Pleite der CAC Finanz die beiden anderen Firmen mit in die Insolvenz gerissen habe.

Für die Gläubiger geht es nun ums Ganze. Michaela S. zum Beispiel betreibt einen kleinen Friseursalon in Eichstätt. Dort zählte die Mutter des Finanzexperten zum Kundenstamm und stellte den Kontakt zu ihm her – mit fatalen Folgen: S. vertraute dem Sohn ihrer Kundin die Altersvorsorge von 60 000 Euro an. Jetzt überlegt auch sie, ob sie gegen A. strafrechtlich vorgehen soll. Dieser habe ohne ihr Wissen 30 000 Euro in Aktien der CAC Finanz AG investiert. Weitere 30 000 Euro seien in zwei Anleihen der CAC Finanz geflossen.

S. sagt, dass A. ihr eine sichere Anlage garantiert habe. Risiken habe er hingegen fast nie thematisiert. „Wenn heute einer sagt, das wurde ohne sein Wissen getan, dann muss ich nur grinsen“, rechtfertigt sich A. Wie auch immer, das Geld ist weg, die 57-Jährige sagt: „Ich wollte das Haus meiner Mutter umbauen, die Pläne kann ich jetzt in den Wind schießen.“

Eine Hauptversammlung der AG fand offenbar nie statt

Auch Werner Hinterjung macht dem Vermögensberater schwere Vorwürfe. Der Unternehmer aus Oberbayern fürchtet um den guten Ruf seiner Firma. Deshalb möchte er nicht mit seinem echten Namen öffentlich genannt werde. Genauso wie S. hat auch Hinterjung den Versprechen A.s vertraut: Er legte eine halbe Million Euro in Aktien der CAC Finanz AG an.

Hinterjung glaubte, ihm stehe damit das Recht zu, an den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaft teilzunehmen. Er habe aber nie eine Einladung zur Hauptversammlung bekommen, sagt Hinterjung. Auch S. und andere Aktionäre beteuern, dass sie nie eine Einladung erhalten hätten. Die Hauptversammlungen fanden in einem Viersterne-Hotel in Ingolstadt statt. 2016 dauerte sie nur zwölf Minuten. So steht es im Protokoll der Sitzung. Von den Aktionären kamen nur Christian A. und sein Schulspezl, der Aufsichtsratsvorsitzende Michael W..

Auf Nachfrage erklärt A., dass er Einladungen an alle Aktionäre verschickt habe. „Mehr als Briefe eintüten und verschicken können wir nicht.“ Allerdings hätte die Anwesenheit der anderen Aktionäre sowieso „keine Relevanz“ gehabt, da nur A. und W. Stammaktien besaßen und damit stimmberechtigt gewesen seien.

A. und sein Freund Michael W. arbeiteten nicht nur bei der CAC Finanz zusammen. Beide gehören bis heute noch dem Vorstand der Waschbär AG an, die vier Waschanlagen betreibt. Auch Anleihen der Waschbär AG hat die CAC Finanz an Anleger vertrieben. Die Waschbär AG ist solvent, macht aber seit Jahren Verluste. Die CAC Finanz und die Waschbär AG teilen sich den Firmensitz unter der Privatadresse von A..

Neben der Tür prangt das Wappen der Familie: Ein Löwe mit silberner Mähne und blauem Schild. Von hier aus hat A. mindestens sechs Firmen geführt. Unter anderem einen Herrenausstatter und eine Versicherungsagentur. Auf Facebook bezeichnet sich A. als Inhaber einer „Unternehmensgruppe“. Als solcher will A. keine persönliche Haftung für die Verluste der Anleger übernehmen, wie er mitteilte. Für den Ärger seiner Kunden habe er jedoch großes Verständnis.

Das wird all die geprellten Mitglieder des Hopfenrings kaum trösten. Sie haben inzwischen eine neue Führungsspitze eingesetzt. Der Vize-Chef des Hopfenrings, Wolfgang Metzger, kündigt an, dass der Hopfenring von riskanten Geldanlagen in Zukunft lieber die Finger lassen will: „Das Geld kommt aufs Sparbuch.“ Näheres muss der Beirat des Vereins aber noch beschließen.